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Infos für Angehörige

 

Bevor die Depression diagnostiziert und eine Therapie begonnen wird, vergeht oft eine lange Zeit, in der der Depressive sich müde fühlt, schlecht schläft und unter körperlichen Beschwerden leidet. Er ist nicht mehr in der Lage Gefühle zu äußern oder auf Gefühle anderer einzugehen, die Spontanität, die Lebensfreude sind weg, Hobbys gehen verloren, die Lust an Sexualität nimmt ab, die Belastbarkeit sinkt rapide.

Angehörige und Partner versuchen anfänglich dem Depressiven mit Verständnis und Zuwendung zu begegnen. Ablehnung, Sprachlosigkeit und Abwehr der Zuwendung sind dann oft Reaktionen des Depressiven darauf. Aus dem Verständnis, der Rücksichtnahme und Zuwendung des Anghörigen/Partners entstehen relativ schnell Unverständnis, Ärger, Kränkung und das Gefühl der Zurückweisung.

 

Diese Gefühle werden beim Angehörigen/Partner im Laufe der Erkrankung meist stärker und verändern Aussagen wie: „Geh doch mal an die frische Luft“, „Mach doch mal ein bisschen Sport“ oder „Gönn dir mal was Gutes“ die eigentlich unterstützend und helfend gemeint sind, in „Reiß Dich zusammen“, „Lass Dich nicht so gehen“, „Stell Dich nicht so an“. Diese verständliche Veränderung ist weder für den Depressiven, noch für den Angehörigen / Partner hilfreich. Sie verletzen sowohl den Depressiven, der sich ja nicht verweigert, sondern einfach nicht kann, als auch den Partner / Angehörigen der sich hilflos und zurückgewiesen fühlt. Der Depressive wird sich weiter in sich zurückziehen und eine Verstärkung der Symptome ist zu erwarten.

 

Die weiteren Reaktionen in Stichworten:

 

Die Angehörigen / Partner steigern die Versuche der Hilfe oder ziehen sich zurück, der Depressive fühlt sich unverstanden und verlassen und zieht sich ebenfalls weiter zurück, Angehörige / Partner reagieren mit Schuldgefühlen und verstärktem Überengagement, der Depressive fühlt sich zunehmend wertlos und in eine infantile Rolle gedrängt, die Angehörigen / Partner sind erschöpft (Burnout-Syndrom), geraten in ein Dilemma von Schuld, Hilflosigkeit und Aggression.

 

Wie es überhaupt zu dieser Situation und den daraus resultierenden Spannungen kommt, ist relativ einfach. Die Angehörigen / Partner erleben Veränderungen im Verhalten des Depressiven, deren Ursache sie sich nicht erklären können. Der Betroffene selber ist zu Beginn seiner Krankheit in der Regel nicht in der Lage, das was er momentan erlebt in Worte zu fassen und den Angehörigen / Partnern begreiflich zu machen.

Wird dann endlich die Diagnose Depression gestellt, sollte das weder den Betroffenen noch die Angehörigen / Partner erschrecken. Es ist meist eher eine Erleichterung, da es nun einen erklärbaren Grund gibt für die Verhaltensänderungen. Es fällt auch häufig leichter, im Familienkreis das Gespräch zu suchen. Auf anfänglich unerklärlich scheinende Verhaltensänderungen kann nun besser und adäquater reagiert werden.

 

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt im Prozess der Gesundung ist professionelle Hilfe. Hier fällt auch Angehörigen / Partnern eine wichtige Rolle zu. Häufig sind sie es, die den Betroffenen überhaupt erst dazu bewegen, einen Arzt aufzusuchen. Auch in der weiteren Behandlung spielen sie eine wichtige Rolle, denn in der Regel kennt niemand den Patienten besser als sie. In Gesprächen mit dem Arzt können sie wichtige Hinweise geben zum Beispiel für die Erstellung eines Therapieplans. Und im Laufe der Behandlung können sie dem Betroffenen Hilfestellung geben, sei es bei der regelmäßigen Medikamenteneinnahme als auch bei Rückschlägen dem Betroffenen Unterstützung geben, sich an die Therapie zu halten. Auch bei ergänzenden Therapien, wie z.B. der Psychotherapie, wäre Unterstützung durch Angehörige / Partner sehr hilfreich.

 

Für Angehörige / Partner depressiver Menschen ist es wichtig zu wissen, dass die Behandlung von Depressionen unter Umständen sehr lange dauern kann und auch von Rückschlägen geprägt sein kann. Während des Gesundungsprozesses wird auch der Alltag nicht einfach sein. Dies liegt daran, das Depressive in der Regel nicht in der Lage sind Entscheidungen zu treffen und ihnen auch die einfachsten Dingen manchmal nicht gelingen. Die Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Lustlosigkeit und die fehlende Energie selbst für einst geliebt Dinge, sind Symptome und keine böse Absicht des Depressiven. Sie „wollen“, aber „können“ nicht.

 

Um dem Depressiven Hoffnung und ihn von dem Gedanken der Unfähigkeit zu entlasten, ist es wichtig, dass Angehörige / Partner ihm Entscheidungen abnehmen oder diese auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Dies sollte aber im Einvernehmen mit dem Depressiven erfolgen. 

 

Gelingt dem Depressiven etwas, ist  Lob eine große Hilfe, denn der Depressive nimmt häufig gar nicht wahr, dass ihm etwas gelungen ist.

 

Angehörige / Partner sollten auch bei der Aufrechterhaltung eines geregelten Tagesablaufs behilflich sein, denn für den Depressiven ist nichts wichtiger als Struktur und Routine.

 

Veränderungen, wie Urlaube oder Ausflüge helfen in der Regel wenig, sie verunsichern mehr. Auch Feste, Partys sind oft kontraproduktiv, die Fröhlichkeit lässt Depressive nur noch depressiver werden.

 

Kreative Aktivitäten sollten durch Angehörige / Partner nur unterstützt werden, wenn sie von dem Betroffenen selber ausgehen.


Besonders wichtig ist Beistand und das konsequente Eingreifen von Angehörigen / Partnern in Krisensituationen. Dies sind Situationen in denen es dem Betroffenen besonders schlecht geht und er eventuell sogar an Selbsttötung denkt.  Konsequentes Eingreifen können zum Beispiel Gespräche der Angehörigen / Partner mit Arzt oder Therapeuten sein, oder eine Einweisung in eine Klinik. Fasst alle depressive Menschen denken im Rahmen ihrer Erkrankung darüber nach aus dem Leben zu scheiden. Ca. 60% aller Betroffenen unternehmen mindestens einen Selbstmord, eine erschreckend hohe Zahl, die die Schwere der Erkrankung verdeutlicht. Wenn Angehörige / Partner sich dazu in der Lage sehen, stellt die Thematisierung der Selbsttötungsgedanken, für den Betroffenen meistens eine Erleichterung dar, entbindet es ihn doch von der Schwierigkeit, das Thema selbst anzusprechen. 


Warnzeichen für einen geplanten Suizid können, ohne jegliche Gewähr oder den Anspruch der Vollständigkeit, sein:

 

  • eine plötzliche Gelassenheit, eventuell sogar Heiterkeit
  • die verstärkte Kontaktaufnahmen zu Freunden oder Bekannten
  • das Verschenken persönlicher Gegenstände
  • das In-Ordnung-Bringen nicht erledigter Formalitäten
  • die Kontaktaufnahme mit Banken und Versicherungen
  • das vermehrte Beschäftigen mit Todesanzeigen
  • das Schreiben eines Testaments
  • uvm.

Finden sich derartige Hinweise im Verhalten des Betroffenen, sollte schnellstmöglich professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Auch vor eine stationären Notaufnahme in einer psychiatrischen Klinik sollten sich Angehörige / Partner nicht abschrecken lassen, auch wenn der Depressive widerspricht, denn es besteht akute Lebensgefahr. Sobald die Krisensituation überstanden ist, ist der Betroffene meist für das konsequente und entschlossene Handeln dankbar.

 

Angehörigen / Partner haben durch die Erkrankung des Betroffenen eine enorme Belastung. Sie haben die Situation das ihr Angehöriger / Partner sich massiv verändert hat, sie sich damit zurechtfinden müssen, dann sollen / wollen sie für ihren Angehörigen / Partner da sein. Diese Gratwanderung ist eine wirkliche Belastung.

 

Eben deshalb ist es wichtig zu wissen, dass auch für sie unterschiedliche Hilfsangebote gibt. Es gibt die professionelle Beratung durch Ärzte, Psychologen und Psychiater. Auch der direkte Kontakt zu anderen Angehörigen die sich in der gleichen Situation befinden ist oft eine große Hilfe. Adressen von Angehörigengruppen können bei Beratungsstellen, dem Arzt, der Gemeinde oder freien Wohlfahrtsverbänden bezogen werden. Auch auf unserer Kontaktseite finden sich verschieden Adressen.

 

Das Gespräch mit Freunden und Verwanden ist oft hilfreich, denn in diesem Kreis lässt sich leichter über Gefühle und Ängste sprechen.


Alleine schon das Reden hilft oft um Klarheit zu bekommen und Druck abzubauen und hilft so mit der belastenden Situation ein Angehöriger / Partner eines depressiven Menschen zu sein.

 

Quelle: Privat